Floaten im Flow

Innenentwirrung

Was beschäftigt mich in der Zeit, in der ich hier ruhig bin?

Ruhig in mir ist es ja nie, aber manchmal kann die Verwirrung nicht nach draußen. Oder ich muss die Verwirrung innen erst entwirren, um sie danach nach draußen zu bringen.

Jetzt habe ich länger innen entwirrt und inzwischen meine Homepage weiter mit meinen Angeboten befüllt. Es fehlt noch immer einiges, aber zumindest ist ein guter Entwirrungsanfang gemacht.

Seht selbst! Was fehlt euch noch? Ich würde mich sehr über Feedback und Anregungen freuen.

Flow vs. Float

Seit es ruhig ist, beschäftigt mich unter anderem der Flow und das Floaten. Die Begriffe unterscheiden sich orthographisch, klingen aber nicht nur in meinem „Austrian English“ beinahe gleich. Sie sind etymologisch tatsächlich eng miteinander verwandt und stammen von einer urindogermanischen Wurzel ab (pleu-). Sie beschreibt ursprünglich die Bewegung von Wasser und anderen Flüssigkeiten. Die Ähnlichkeit zu lateinischen fluo- (fließen) ist frappierend, etymologisch sind die Worte nicht verwandt.

Float [floʊt]: Das Wort entstammt dem altengischen flotian, was so viel bedeutet, wie auf der Oberfläche ruhen oder treiben.

Flow [floʊ]: Das Wort leitet sich vom altenglischen flōwan ab, was fließen bedeutet.

Interessiert euch Worte herkommen und wer mit wem verwandt ist?

Die Bewegung des Wassers (Mein Flow-Gedicht)

Wenn ich mich entspanne, dann bin ich im Flow.

Dann muss ich reimen, das ist einfach so.

Das ist der Anfang eines 2 minütigen Gedichtes, das ich vor einigen Jahren während einer Yin-Yogastunde gedichtet habe. Das war vor meinen Ausbildungen. Die Ruhe und Bewegungslosigkeit während der Stunde, taten meinem Nervensystem damals nicht gut. Mein Körper ließ die Entspannung nicht zu. Ich musste in Dauerschleife die im Moment gefundenen Zeilen wiederholen - immer und immer wieder. Ich war total aktiviert, höchste körperliche Anspannung. Mein Nervensystem, völlig überflutet und völlig überreizt.

Ich erinnere mich an die Formel von M. Täuber und P. Obermaier aus dem Buch „Das Prinzip der Mühelosigkeit“:

Flow = (Tun - Anspannung) x Fokus

Ich wusste ganz genau diese Art Yoga ist nichts für mich Warum konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht verstehen.

Ich fand mich in einem Zustand, der meinem Alltag sehr vertraut war. Tun im Hyperfokus!

Wo lag in der Vergangenheit der Irrtum? Wo lag der Fehler?

Tun? Check

Fokus? Check

Anspannung? Check. Hmmmmm, … Anspannung sollte subtrahiert, nicht addiert werden.

Mein „Flow“-Hyperfokus - ausdauerndes Tun voller Freude und totaler Begeisterung, ohne Ende bis zum Umfallen. Am Ende jedes Tuns bis zur totalen Erschöpfung. Da ist der Breakdown vorprogrammiert.

Kennst du echten Flow? Verwechselst du ihn manchmal mit Hyperfocus?

My way to keep control

Warum passiert es in Momenten, die Entspannung und innere Ruhe in Körper und Geist induzieren sollen, dass genau der gegenteilige Effekt eintritt?

Seit meiner Kindheit, wurde ich für mein Schlau-sein, meine kognitiven Fähigkeiten, mein Mathetalent, mein Verstehen ohne vorherige Anleitung, mein Mich-hineindenken-können von Erwachsenen gelobt, von Gleichalten bewundert. Mir fiel das leicht. Für mich war das nichts Besonderes. Dinge, Vorgänge, Beziehungen Zusammenhänge zu verstehen und Lösungen zu finden, war und ist meine Leidenschaft.

So werden Vorgänge und Verhalten vorhersehbarer und somit kontrollierbarer. Sehr lange war ich sehr stolz darauf, in der Schule Bulimie-Lernen und Menschen-lesen gelernt und perfektioniert zu haben. Das sind in vielen Situationen äußerst hilfreiche Eigenschaften, in vielen anderen sind diese Skills völlig wertlos.

Also noch mal: Warum war gerade die Superfühlkraft Menschen-lesen so ungeheuer wichtig für mich? Warum geht’s dabei wirklich?

Die Antwort ist einfach: Bewahrung der Kontrolle!

Kontrolle vs. Loslassen - Das ewige Hin und Her

Warum fällt das Loslassen so schwer? Was passiert, wenn ich meine Gedanken freilasse?

Mein Nervensystem bekommt die Panik - im wahrsten Sinne des Wortes.

Es entsteht Raum. Womit der Raum befüllt wird, kann ich nicht kontrollieren. Es kommt, was kommen mag und nicht nur das, was ich eingeladen habe.

Angst, weggepackte Gefühle, Bilder, die ich nie gesehen haben wollte, Worte dir nie gesagt, nie gehört hätten werden sollen, übertragene Gefühle, die ich nicht einordnen kann, weil sie ja nicht mir gehören, Traurigkeit, eine tiefe Traurigkeit, Verletzlichkeit. Emotionale und körperliche Taubheit stellen sich zu meinem Schutz ein.

Mein Körper fordert Kampf (beim Yin Yoga nicht möglich), Flucht (eher möglich, ich könnte dringend Harndrang vortäuschen, trau ich mich aber nicht). Was mir bleibt: Dissoziation! Ich träume mich weg, in meine Welt der Reime. Was ich dichte, ist nicht schön, nicht literarisch wertvoll, ohne korrektem Versmaß, aber in diesem Moment der Rettungsring, der mich vor dem Ertrinken rettet.

Was machst du, wenn du das Gefühl hast, du musst hier weg, kannst es aber nicht? Was rettet dich vor dem Ertrinken?

Der Rettungsring - Mein Rettungsring, das Reimen

In Momenten, in denen ich emotional überfordert bin, muss ich reimen. Ich reimte, als mein Papa gestorben ist, ich reimte im Schreiben-mit-Vorlesen Workshop. Wann auch immer ich in geschriebener Form meine Gefühle mitteilen möchte, reime ich und auch beim Yin Yoga reime ich.

Die Worte sprudeln dann nur so aus mir heraus. Die Texte sind so emotional aufgeladen und persönlich, dass sich niemand traut, Kritik zu üben. Ziemlich sicher sind sie objektiv betrachtet nicht gut geschrieben, aber es sind meine Gefühle ungeschönt und unverblümt. Alles meins, alles authentisch, alles ehrlich. Der Rettungsring ist immer dabei und ich kenne das Gefühl, wie es sich anfühlt, von ihm gehalten und getragen zu werden, nur zu gut - ein wunderbares, sicheres Gefühl, der Moment, in dem die Worte fließen. Der Rettungsring vertraut mich in Sicherheit dem Wasser an, dem Auftrieb, dem Flow, dem Floaten.

In meiner Kindheit hieß Floaten „Toter Mann“, In der Kindheit meiner Kinder wurde es in „Seestern“ umgetauft, ein schöneres Bild (die Zeiten haben sich zum Glück verändert), aber es bietet noch immer nicht das Bild, das ich vom Gefühl Floaten habe.

Wie nennt ihr das Schweben im Wasser? Mögt ihr es? Wann fühlt ihr euch vom Wasser getragen?

Das Floaten, mein Floaten im Flow

Ich bin ein Seekind, aufgewachsen am und im See. Im Seewasser ist alles leichter, freier, kühler, einfach besser.

Am liebsten nähere ich mich ich über einen Steg mit Treppe direkt dem tiefen Wasser. Luxus ist eine gemütlich, langsam und flach ins Wasser (Wichtig!! - ins TIEFE Wasser) führende Treppe ohne Algenbewuchs. Ich stoße mich ab Der Steg über den morschen Holzpfeilern wackelt. Ich mache ein paar kräftige Tempi, tauche unter, genieße die Kühle. Das Gesicht, die Kopfhaut, beide sehnen sich nach der weichen Abkühlung.

Am Morgen und am Abend ist die Seeoberfläche glatt, spiegelglatt. Kein Motorboot, kein Touristendampfer, kein Wasserschifahrer, kein Elektroboot - die absolute Ruhe. Höchstens ein paar Enten entfernen sich entrüstet schnatternd und Ich mache eine Rolle vorwärts, einen Purzelbaum Ich komme wieder an die Wasseroberfläche und strecke mich aus. Ich strecke alle vier Gliedmaßen weit weg. Die Ohren unter Wasser - Stille absolute Stille. Meine Haare treiben gedankenverloren um meinen Kopf.

Ich habe Glück, ich schwimme immer oben auf. Ganz ruhig lasse ich meinen Atem fließen. Mit dem Ausatmen sinken zuerst die Füße, Beine, dann noch mit dem Becken die Arme ab, gerade so weit, dass sie mit dem Einatmen mühelos an die Wasseroberfläche zurücksteigen. Ich atme sanft durch die Nase aus. Meine Beine sinken in eine tiefer liegende, kühlere Wasserschicht ein. Hände und Füße schweben an die Wasseroberfläche und scheinen meinen gesamten Körper zu tragen, marionettenhaft, werde ich von einem imaginären Puppenspieler an noch imaginäreren Fäden gehalten. Wieder Aus  - einsinken, abtauchen, Ein - aufsteigen getragen werden. Mein Körper bewegt sich kaum. Dennoch wird mein In - Ruhe - sein durch die Langsamkeit des Auf - und  -Abs sichtbar.

Die Schwerelosigkeit, die Leichtigkeit, die Freiheit sind genial! Keine Aufliegefläche drückt. Keine Knochen, denen die Unterlage zu hart ist, keine Hüfte, der die Unterlage zu weich ist. Kurz werfe ich liegend meinen Kopf in den Nacken, um mein erhitztes Gesicht abzukühlen. Wie ein Korken dümpel ich an der Wasseroberfläche, treibe ab, obwohl sich das Seewasser nicht zu bewegen scheint. Ich fühle mich riesengroß, aufgespannt, wie ein fallschirmfliegender Seestern, getragen von der Schwerelosigkeit. Ich finde mich am Flokati liegend wieder. Der kühle Abendwind streicht sanft über meinen Körper und ich fühle das Flow-Floaten im Seewasser rund um mich und sehe den strahlend blauen Himmel über mir. Was gibt es Schöneres als alles Schwere, alles, was mich beschwert, dem Wasser, dem Auftrieb zu übergeben und meine Gedanken, dem Flow zu überlassen, in dem Worte, sich zu Sätzen formen und sich wieder in Buchstaben auftrennen, um dann wieder neu zusammenzufinden.

FLOW

LOW

WOW

WOLKEN

DENKEN

LENKEN mich!

Der Flokati hüllt mich ein, umschmeichelt meinen Körper und ich nehme meine Körperoberfläche wahr. Spüre die Kontur der großen Zehe und das unangestrengte Treiben der Kopfhaare. Wo ist Wärme zu fühlen? Wo ist meine Haut kalt, ausgekühlt, sich nach Wärme sehnend? Mein Körper sehnt sich nach SEE. Das erste Boot fährt los und ich höre nach einiger Zeit die Wellen an die Ufermauer klatschen.

Zurück
Zurück

Gut und schön

Weiter
Weiter

Sinnlos vs. absichtslos