I’m swinging
Ich stehe wie so oft bei der Haltestelle und spiele.
Mit meinen Armen.
Mit meinen Händen.
Mit meinen Handgelenken.
Mit meinen Beinen.
Mit meinen Füssen.
Mit meinem Kopf.
Mit meinem Nacken.
Was macht ihr, wenn ihr wartet?
Wenn ich durch die Straße schlendere, bewegt sich einiges.
Meine Arme schwingen, zumindest einer. Der andere trägt die Tasche. Die Hand umfasst den Henkel, ganz schön eigenartig so einseitig durch die Gassen zu wandeln. Ich schwinge, I’m swinging.
Links schwingt mein Arm grandios, locker, luftig, lustig! Unfair eigentlich, dass nur ein Arm schwingen darf. Ich wechsle die Tasche auf die andere Schulter. So einfach geht es nicht. Der Arm ist bockiger, ungelenk, von luftigem Schwingen keine Spur.
Ist die Armbanduhr schuld? Beschwert sie den Arm?
Oder umklammert mein linker Arm das filmende Handy so fest, dass der rechte Arm auch festhält? Merkwürdig! Ich probiere herum.
Bewege ich meine Beine antizyklisch zu den Armen oder doch Passgang?
Ich nehme die Uhr ab und fühle, ob sich was verändert.
Nicht die Luft anhalten, atmen nicht vergessen.
Ich verstaue das Handy in der Tasche. Geht’s jetzt besser? Eigentlich nicht.
Ich lasse die Straßenbahn sausen. Ich muss weitergehen, Irgendwann, als ich gar nicht mehr daran denke, schwingt auch der rechte Arm und sogar mit dem kleinen Boing, so einem kurzen Schlenkerer.
Der rechte Arm braucht immer etwas mehr Zeit, bis er loslassen kann. Er hat ja auch viel mehr zu tun, als der Linke. Zumindest der Meine.
Mit ein wenig forschendem Herumprobieren und dann nimmer daran denken, kann ich ihn auch austricksen und der Arm lässt ganz beschwingt locker. Smile
Ich schalte die Jukebox in meinem Kopf an und schwinge, groove und singe im Kopf so laut, ich kann, mit.
Wie schwinge ich, wenn du hinter mir gehst?
Heute nutze ich die Gelegenheit, zu zweit zu sein. Mich interessiert, wie es sich anfühlt, ohne Tasche und ohne Handy zu gehen, zu schwingen.
Ich gehe los und bemerke sofort: Der rechte Arm ist auch ohne Tasche und ohne Handy bockig. Er wehrt sich. Er schwingt nicht so richtig, nicht so locker und unbeschwert wie der linke Arm. Der macht auch so sein lustiges Boing, so einen kleinen Knick im Ellbogen, wenn die Hand den Arm überholt hat und noch so ein winziges Stück weiter hinaus, weiter nach vorne will als der Rest vom Arm.
Kein Boing rechts und das Gefühl von: Er kommt dem linken Arm nicht nach, dem Schritt nicht hinterher.
Wir gehen die Gasse entlang und irgendwann kreuzen Passanten unseren Weg. Der eine geht, als hätte er ein einen Pferderücken unter seinen Schenkeln. Sprich: die Beine sind sehr weit gespreizt.
Die zweite geht ohne Schwung, ohne Geschmeidigkeit, ohne die Hüfte zu bewegen, ohne die Knie zu beugen. Sprich: Sie verlagert steif von Kopf bis Fuß das ganze Körpergewicht von einem auf das andere Bein.
Ich ahme nach, nicht um mich darüber lustig zu machen, sondern um ein anderes fremdes Gehgefühl zu erleben.
Die Entgegenkommenden verschwinden hinter mir, und ich wechsle zurück zu «meinem» Gang und siehe da, der rechte Arm hat sich am Linken ein Beispiel genommen. Er hat den Schwung, den Swing mitgenommen und ich nehme viel Geschmeidigkeit und Weichheit wahr. Sehr fein!!
Als ich mir am Abend das Video ansehe, fällt mir etwas Spannendes auf. Mein Schatten erweckt den Eindruck, als hätte ich die Arme wie ein Hampelmann vom Körper weg und wieder hin bewegt. Eh klar, dass mein Schatten das vor und zurück in 2D nicht abbildet Aber das Bild überrascht mich dennoch.
Ich denke an Peter Pan und wie er seinen Schatten verliert, versucht, ihn wiederzubekommen mit seinen Füßen fest am Boden. Mein Schatten scheint mit seiner Geste zu sagen. Ach was, ist doch egal! Ein Arm schwingt und der andere anders. Ich behalte mir ein wenig von Peter Pan, dem ewigen Kind im Herzen.
Wann immer ich dran denke, beobachte ich mich beim Gehen und versuche zu fühlen, was schwingt. Was schwingt nicht? Was ist heute locker und was nicht? Und wie wäre es, wenn ich heute…
Zum Glück gibt es dafür unendlich viele Möglichkeiten.
Wie schaust du von hinten aus, wenn du durch die Welt schlenderst?
