Von der Roly Poly Doll zum Seegras
Heute ist Mittwoch.
Ich habe erholsam geschlafen, die Sonne strahlt am blauen Himmel und lässt die am Thermometer angezeigten 6 °C deutlich wärmer wirken. Ich verzichte auf die dicke Winterjacke. Gestern ist ganz unverhofft das verschollene Packerl mit dem Geburtstagsgeschenk, dass ich mir selber gemacht habe, angekommen – endlich! und heute ist ein unerwarteter bunter Geburtstags – Frühlings -Blumenstrauß geliefert worden.
Trotz all diesen tollen Dingen, ist irgendwie die Luft aus mir raus.
Ich bin müde, meine Gedanken sind langsam, mein Kopf taumelt wie ein übergroßer und vor allem über schwerer Sandsack über meinem viel zu dünnen und schwachen Nacken. Meine Wirbel kranzschen. In meinem taumelden Kopf baumeln die Gedanken herum und werden wie die Bälle bei der Lottoziehung durcheinandergewirbelt.
Keine große Überraschung: Nach vorne kippt man Kinn bis zur Brust, nach hinten fängt mein Speck im Nacken den Kopf weich auf. Ich kuschle mich kurz hinein – knirsch, kransch… Nach hinten fühlt sich die Bewegung schon deutlich anders an als nach vorne.
Was mich etwas mehr verblüfft: Mein rechtes Ohr nähert sich gefühlt der rechten Schulter deutlich weiter, als es dem linken ist Ohr möglich ist – ein ganz deutlich spürbarer Unterschied. Vielleicht liegt einfach die die linke Schulter tiefer als die rechte? Ich check das! Also wie ich das sehe ist das Gegenteil der Fall! Hmmmm…
Ein tiefer Atemzug, Schultern hoch und mit dem ausatmen fallen lassen, immer tiefer und tiefer, bis die Hände gefüllt den Boden berühren. Ich spiele ein bisserl herum, kleine, feine Bewegungen.
Wie viel Spielraum gebe ich meinem Kopfgewicht, um Mühelosigkeit zu fühlen? Kann ich das Gewicht vollständig am obersten Punkt der Wirbelsäule ablegen das Bild gefällt mir nicht! Genau so, wie ich auf zwei Sitzknochen mein Gewicht an den Sessel weitergebe, sitzt mein Schädel auf zwei Punkten am Atlas. Zwei Höcker übertragen mein Oberkörpergewicht an den Sessel, in zwei kleinen Kuhlen kuschelt meine Schädel mit dem ersten Wirbel.
Ich versuche meinen Schädel tanzen zu lassen, so klein, dass keine Anstrengung und Muskelkraft nötig ist, dass ich die vielen Sehnen, Bänder und Faszien im Hals nicht wahrnehme. Wie klein können meine Bewegungen sein? Wie fein?
Nach einer Zeit bemerke ich, dass mein Körper mit tanzt – fein, klein, ganz mühelos. Das anfängliche Gefühl vom plumpen Stehaufmännchen, einer Roly Poly Doll, wird immer unschärfer und verschwimmt zu zartem Seegrasschwingen, einem sanften Getragen werden im warmen Ozean!
Was für ein Wohlgefühl!