Fingerspitzen-Gefühl
Ich sitze in der Straßenbahn und mein Handy Akku schwächelt. Ich verzichte auf das übliche am Handy Herumgetue und höre, um Akku zu sparen, NUR meinen Podcast (oh, ich mache nur eine Sache, und nicht mindestens 2-3 gleichzeitig - Was für ein besonderer Moment!!) Hoffentlich reicht der Strom mit dieser radikalen Maßnahme bis ins Büro!
Ich schaue aus dem Fenster und bewundere die schönen lange nicht mehr wahrgenommen Jugendstilgebäude. Da bemerke ich, dass sich schon wieder eine zweite Sache (war ja eh klar) eingeschlichen hat.
Ganz unbewusst habe ich begonnen mit den Fingerspitzen der einen Hand, die Fingerspitzen der anderen Hand zu berühren. Ich probiere aus, welchen Unterschied es macht meine Fingerspitze mit Zeigefinger und Daumen der anderen Hand zu betasten, zu streicheln. Ich drehe die Hand und der Daumen berührt den Nagel des Fingers. Ich wechsle ab, verändere die Positionen. Berühre und werde berührt!
Fühlt sich mein berührter Zeigefinger anders je nachdem, ob er von Zeige –, Mittel –, Ring – oder gar kleinem Finger der anderen Hand berührt wird?
Was fühlen die berührenden Finger?
Sind die Empfindungen dieselben?
Ist die Fühlraftraft jedes Fingers gleich?
Ist die Haut weich, sind Rillen fühlbar? Sind die Kuppen prall gefüllt oder doch so weich, dass ein Glas Wasser, dem Organismus guttäte?
Ich nehme einen Schluck und denke an unseren Kater und dessen samtweiche Pfote mit der zarten Haut zwischen seinen einzelnen kleinen Zehen, die ich in der letzten in den letzten Tagen so viele Stunden fein berühren durfte.